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Unternehmensanleihen: Höhere Zinsen mit höheren Risiken

In der aktuellen Niedrigzinsphase suchen Anleger nach möglichen sicheren Alternativen. Hier bieten sich Unternehmensanleihen wegen ihrer höheren Verzinsung an. Doch bergen sie auch Risiken für den Anleger, die nicht unterschätzt werden sollten.

Wer aktuell Geld festverzinslich anlegen will, kennt das Problem: Staatsanleihen bringen historisch geringe Zinsen – zumindest solche mit einer hohen Bonität. So liegt z.B. die Umlaufrendite von Bundesanleihen aktuell bei gerade einmal 0,16%. Interessanter scheinen Unternehmensanleihen zu sein, bieten sie doch in der Regel eine deutlich höhere Verzinsung. Beispielsweise bringt eine Thyssen-Krupp-Anleihe mit einer Laufzeit von rund zehn Jahren einen Coupon von 2,5%. Damit rangiert die Anleihe sogar am unteren Ende der Skala, andere Unternehmen zahlen teilweise deutlich höhere Zinsen. 

631604_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.deDoch die Sache hat – wie zu erwarten – einen Haken: Die höhere Rendite ist das Resultat eines höheren Risikos. Hier ist zunächst das Bonitätsrisiko, das bei Unternehmensanleihen deutlich höher ausfällt als etwa bei deutschen Staatsanleihen. Ob die gegebene Verzinsung tatsächlich dem Risiko entspricht, ist für den Anleger nur schwer nachvollziehbar. In diesem Fall muss er sich auf Anleihen-Ratings verlassen. Diese geben Aufschluss über die Ausfallwahrscheinlichkeit (Probabilty of Default) bzw. den erwarteten Verlust (Expected Loss) der Anleihen. Die von den Agenturen vergebenen Ratingnotationen können mithilfe einer Tabelle direkt in diese Zahlen übersetzt werden. Ein interessanter Aspekt ist hierbei, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit von Agentur zur Agentur teilweise erheblich unterschiedlich ausfällt.

Ein weiteres Risiko sind Kursschwankungen: Sollte der Anleger mit dem Gedanken spielen, die Anleihe vor dem Laufzeitende abzustoßen, muss er zusätzlich mit Kursrisiken während der Laufzeit rechnen. Diese werden unter anderem vom Zinsniveau und der Liquidität beeinflusst. Insbesondere die Liquidität kann bei Unternehmensanleihen ein Problem werden. 

Wie kann der Anleger tun, um Risiken bei Unternehmensanleihen zu minimieren? Zur Risikodiversifikation bieten sich Investmentfonds an. Sie streuen das Anlagevermögen nicht nur auf verschiedene Unternehmen. Sie setzen in der Regel auch fundiertes Research ein, um Ausfallrisiken rechtzeitig zu erkennen und nach Möglichkeit zu umgehen. So haben Fonds mit Schwerpunkt auf EUR-Unternehmensanleihen in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt ein Plus von knapp 30% erzielt. Und auf Sicht von zwölf Monaten liegen sie mit durchschnittlich rund 7% deutlich über dem Niveau von Bundesanleihen. 

Aber auch bei Investmentfonds müssen zwei Sachen beachtet werden. Erstens: Der Unterschied zwischen einzelnen Fonds ist zum Teil gewaltig. Die Spanne reicht auf Fünfjahressicht von -1% bis +48%. Auf Zwölfmonatssicht sogar von -9% bis +18%. Den richtigen Fonds im Voraus zu selektieren, erfordert daher tiefgreifendes Research.

Zweitens: Investiert der Fonds auch in Unternehmensanleihen, die auf ausländische Währungen lauten, müssen Währungsschwankungen berücksichtig werden. Ein Blick auf die Fondskategorie „Unternehmensanleihen US-Dollar“ z.B. zeigt, dass diese Fonds auf Fünfjahressicht im Durchschnitt eine Rendite von sagenhaften 63% erzielt haben. Grund dafür ist u. a. die Abwertung des Euro. Allein in den vergangenen zwölf Monaten gab die europäische Währung um rund 24% gegenüber dem US-Dollar nach. Was aktuell gut für den Anleger ist, kann sich in Zukunft im Falle einer Euroaufwertung jedoch ins Gegenteil umkehren und zu Verlusten führen.

Sasa Perovic

Bildquelle: Rainer Sturm / http://www.pixelio.de/

Veröffentlicht 13th März 2015
Kategorien Allgemein, Investmentfonds
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