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Vorsicht bei neuen Investmentthemen

Fondsgesellschaften bringen immer wieder neue Produkte die mit neuen Themen und Ideen werben. Doch Anleger müssen genau hinsehen: Oft kommen die neuen Fonds einfach zu spät.

Doch welchen Nutzen bringen neue Fonds und wo liegen die Risiken? Einerseits bringen neue Fonds häufig neue Möglichkeiten mit sich. Das ist z.B. dann der Fall, wenn neue Märkte erschlossen werden und sich somit das potenzielle Anlageuniversum für die Anleger erhöht. Andererseits kann genau das zum Problem werden. Jeder kennt den Spruch: „Der Zug ist abgefahren.“. Wie auf viele Lebenslagen trifft dies manchmal auch auf neue Fonds zu. Das ist besonders dann gravierend, wenn Fondsgesellschaften auf einen Trend aufspringen, obwohl dieser schon fast vorbei ist. Denn: Je später der Anleger in ein vermeintlich interessantes Segment einsteigt, desto geringer ist seine Rendite.

Diese Problematik hat die europäische Ratingagentur Scope für den Zeitraum 2003 bis 2007 – als die meisten Aktienmärkte nur die Richtung nach oben kannten – näher untersucht. Ziel war es festzustellen, wann die meisten Neuauflagen stattfanden. Und tatsächlich: Es zeigte sich, dass die meisten Fondsauflagen im letzten Drittel der Aufschwungphase kamen, zum Teil kurz vor dem absoluten Hoch.

Ein auffälliges Beispiel ist das Fondssegment „Aktien Indien“, welches sich damals hoher Beliebtheit erfreute. In der genannten Phase wurde dieses Thema mit insgesamt 31 Fonds proaktiv beworben. Doch mehr als die Hälfte der Produkte (52%) wurde erst in der dritten Phase aufgelegt. Also dann, als das Thema bereits deutlich unattraktiver war.

Ein weiteres Beispiel ist das Fondsthema „Aktien Emerging Markets“. Von den 75 neuen Fonds kamen 48% erst im Laufe des letzten Drittels auf den Markt. Noch gravierender war die Situation bei den global anlegenden Aktienfonds, einem Anlagesegmentes mit grundsätzlich breiter Diversifikation. 57% der neu aufgelegten Fonds kamen erst gegen Ende der Aufschwungphase. Anlegern die in dieser Phase eingestiegen sind, erlitten folgend zum Teil gravierende Verluste.

Was ist der Grund dafür, dass Fondsgesellschaften häufig sehr spät neue Produkte auflegen? Darauf gibt es mehrere Antworten. Ein Grund liegt im erwarteten Vertriebserfolg. Anleger lassen sich eher für neue Ideen überzeugen, wenn diese bereits signifikante Kurssteigerungen hervorgebracht haben. Der gewichtigere Grund für das prozyklische Verhalten liegt aber in der Tatsache, dass nicht alle Fondsgesellschaften in der Lage sind, den Aufstieg von neuen Marktsegmenten frühzeitig zu prognostizieren. Dies setzt umfangreiches Research voraus, welches sich nicht jeder Asset Manager leisten kann. Da ist es deutlich günstiger, auf einen bereits etablierten Trend aufzusteigen.

Fazit: Neue Investmentthemen und –Ideen können das Portfolio bereichern. Vorsicht ist jedoch beim Einstiegszeitpunkt geboten: Oft kommen neue Fonds zu spät und bescheren Anlegern im schlimmsten Fall Verluste.

Veröffentlicht 12th Dezember 2014
Kategorien Nachrichten